Garnison Neu-Ulm

Garnison Neu-Ulm

Mitte der 1930er-Jahre wurden in Neu-Ulm die Reinhardt- und die Ludendorff-Kasernen gebaut. Nach dem Zweiten Weltkrieg dienten sie zeitweise als Quartier für „Displaced Persons“. 1951 konfiszierte die US-Armee die beiden Kasernen. Im Zeichen des Kalten Krieges entstanden die Nelson Barracks (ehemalige Reinhardt-Kaserne) und die Wiley Barracks mit Neubauten sowie den alten Ludendorff-Gebäuden. In dieser Kaserne lagern später Atomraketen vom Typ Pershing I und II. Mit der Wiedervereinigung Deutschlands und dem Fall des Eisernen Vorhangs zogen 1991 die GIs ab.

Reinhardt-Kaserne / Nelson Barracks

Reinhardt-Kaserne

Nelson Barracks

 

Heute Standort von Behörden und Firmen

 

Die Kaserne an der Ecke Reuttier Straße/Finninger Straße wurde 1934 gebaut. Nach dem Zweiten Weltkrieg lebten dort Auswanderer und Flüchtlinge. 1951 übernahm die US-Armee die miltärische Anlage, die sie bis 1991 nutzte. Heute sind in den umgestalteten Unterkunftsgebäuden das Finanzamt und die Polizei. Außerdem die Feuerwehr sowie Gewerbetreibende , der TÜV, Vereine, Sportler und Kletterer.

Ludendorff-Kaserne/Wiley Barracks

Ludendorff-Kaserne

Wiley Barracks

 

Teile der Kasernenanlage existieren nicht mehr

 

1936 wurde die Ludendorff-Kaserne gebaut. Von Mitte 1945 an diente das Areal als Entlassungs- bzw. Durchgangslager für deutsche Kriegsgefangene, dann als vorübergehendes Quartier für „Displaced Persons“. 1951 entstanden dort die Wiley Barracks, die 1991 geschlossen wurden. Inzwischen wurde aus der rund 80 Hektar großen Konversionsfläche ein pulsierendes Wohn- und Gewerbeareal mit Hochschule.

Es ist der 5. Dezember 1951. An dem Mittwoch treffen die ersten drei amerikanischen Bataillone im Neu-Ulmer Bahnhof ein. Sie ziehen in die ehemaligen Wehrmachtsunterkünfte, in die Ludendorff-Kaserne an der Memminger Straße und in die Reinhardt-Kaserne an der Reuttier Straße..

 

In den kommenden vier Jahrzehnten investiert die US-Armee viel Geld in die Infrastruktur der Garnison. Die Ludendorff-Kaserne wird gen Süden mit Unterkunftsgebäuden, Büros, Clubs, einem technischen Bereich sowie einer Kirche erweitert. Die GIs taufen die auf 80 Hektar vergrößerte militärische Liegenschaft auf den Namen Wiley Barracks. Aus der 15 Hektar großen Reinhardt-Kaserne werden die Nelson Barracks.

 

Im Vorfeld entstehen für die Soldaten und deren Familien 600 Wohnungen mit Kindergarten, Schule und Läden. In Offenhausen, auf einem Teil des ehemaligen Heeresverpflegungsamtes, öffnet das Versorgungszentrum, in Schwaighofen wird der ehemalige Flugplatz reaktiviert. In den Illerauen in Ludwigsfeld beschlagnahmt die US-Armee den Schießplatz, in Neu-Ulm an der Paulstraße das Offizierscasino. Zu Spitzenzeiten leben in der Stadt mehr als 9000 Soldaten und 2000 Familienangehörige. 500 Zivilangestellte aus der Region sorgen dafür, dass es den Amerikanern an nichts fehlt.

 

Im November 1961, zehn Jahre nach der Gründung der US-Garnison, zieht die örtliches Tageszeitung „Südwest Presse“ Bilanz: „Seitdem die Amerikaner hier wohnen und ihren Dienst tun, haben sie Waisenhäuser unterstützt und Taxi-Fahrer überfallen, sie haben Kinder mit Bergen von Süßigkeiten und Spielsachen zu Weihnachten erfreut und Frauen auf offener Straße belästigt. Sie haben nicht gezögert, ihre technische Hilfeleistung beim Wiederaufbau beider Donaustädte einzusetzen und sich in Wirtshäusern mit Gästen und Polizisten geprügelt, sie haben großzügig Geld- und Sachwerte gespendet, wann immer sie darum angegangen wurden, und sind in den Geschäften ihre Rechnungen schuldig geblieben. Kurz – seitdem Amerikaner hier sind, haben sie sich als Menschen wie du und ich erwiesen.“

 

In den folgenden Jahren normalisiert sich das Miteinander in der Stadt. Es gibt inzwischen gemeinsame Konzerte im Glacis, geschmückte Schlauchboote der Soldaten nehmen am Nabada teil, GIs spenden Blut fürs DRK und fahren Übungen mit der örtlichen Feuerwehr. Nicht zu vergessen ist die Zusage der US-Armee, dass Neu-Ulm die Europastraße durch die Kaserne bauen darf. Sie trennt Wiley Nord und Wiley Mitte. Die Wiley Barracks seien die einzige US-Kaserne auf der Welt, die durch eine zivile Straßen in zwei Stücke zerrissen ist, sagt der Standortälteste Colonel James W. Eitel bei der Eröffnung 1981.

 

Am 22. Oktober 1983 macht die Neu-Ulmer US-Garnison Schlagzeilen in der ganzen Welt. Aus Protest gegen die Nachrüstung der Nato gehen im Südwesten Deutschlands rund 300.000 Menschen auf die Straße. Sie demonstrieren gegen Atomraketen und bilden eine 108 Kilometer lange Menschenkette von den Wiley Barracks bis zum United States European Command in Stuttgart. In Neu-Ulm lagern seit 1968 Pershing-Atomraketen.

 

Mit der Wiedervereinigung Deutschlands zeichnet sich der Abzug der Soldaten ab. Am 26. Juli 1991 endet die Geschichte der amerikanischen Garnison mit dem Niederholen der „Stars and Stripes“-Flagge. Bis September 1991 bleibt ein 40-köpfiges Nachkommando in den Nelson und Wiley Barracks, die die Militärs besenrein an das Bundesvermögensamt übergeben. Am 1. Oktober 1991 ist die US-Garnison in Neu-Ulm Geschichte.